Eigenverbrauch und Einspeisung
Eigenverbrauch oder Einspeisung
Solarstrom hat zwei Preise, und sie liegen weit auseinander. Wer das verstanden hat, plant seine Anlage anders — und liest Offerten mit anderen Augen.
Zwei Preise für dasselbe Produkt
Eine Kilowattstunde vom eigenen Dach ist immer dieselbe Kilowattstunde. Was sie Ihnen bringt, entscheidet sich erst daran, wohin sie fliesst.
Fliesst sie ins Haus, ersetzt sie Strom, den Sie sonst kaufen müssten. Ihr Gewinn ist der volle Bezugspreis — Energie, Netznutzung und Abgaben zusammen. In der Ostschweiz bewegt sich dieser Preis je nach Werk zwischen rund elf und rund fünfundvierzig Rappen.
Fliesst sie ins Netz, zahlt Ihnen der Netzbetreiber die Rücklieferergütung. Seit dem 1. Januar 2026 gilt dafür eine gesetzliche Untergrenze von 6.00 Rappen bei Anlagen unter 30 Kilowatt. Darüber liegt der vierteljährlich ermittelte Referenz-Marktpreis — im ersten Quartal 2026 waren es 10.27 Rappen, im zweiten 3.90. Im zweiten Quartal hat also der gesetzliche Boden gegriffen.
Die Differenz ist das Geschäft
| Wohin die Kilowattstunde fliesst | Was sie bringt |
|---|---|
| Ins eigene Haus | Der volle Bezugspreis Ihres Werks. Je teurer Ihr Strom, desto mehr. |
| Ins Netz | Mindestens 6.00 Rappen. Mehr nur, wenn der Marktpreis höher liegt oder Ihr Werk freiwillig draufzahlt. |
| Herkunftsnachweis | Wird separat vergütet, aber nur mit Rücklieferungsvertrag. Einzelne Ostschweizer Werke zahlen dafür ein bis zweieinhalb Rappen. |
Die Differenz zwischen diesen beiden Zeilen ist der eigentliche Ertrag Ihrer Anlage. Sie fällt von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich aus — und genau deshalb rechnet sich dieselbe Anlage nicht überall gleich schnell.
Wie Sie den Eigenverbrauch erhöhen
Ohne Zutun landen in einem gewöhnlichen Haushalt nur wenige Prozent des Solarstroms im eigenen Verbrauch, weil die Sonne mittags scheint und die Familie abends heimkommt. Drei Hebel ändern das, in dieser Reihenfolge:
01Verbrauch verschieben
Waschmaschine, Geschirrspüler und Boiler mit Zeitschaltung auf die Mittagsstunden legen. Kostet nichts.
02Grössere Verbraucher koppeln
Eine Wärmepumpe, die in der Mittagsspitze vorheizt, und ein Elektroauto, das tagsüber zu Hause lädt, heben den Eigenverbrauch stärker als jede andere Massnahme.
03Erst dann der Speicher
Er verschiebt den Mittagsstrom in den Abend. Sinnvoll dort, wo der Bezugspreis hoch ist — und erst, wenn die beiden ersten Hebel ausgeschöpft sind.
Was daraus für die Anlagengrösse folgt
Eine Anlage, die deutlich mehr liefert, als Sie selbst brauchen können, verkauft den Überschuss zum Mindesttarif. Das ist nicht falsch — aber der Zusatznutzen jedes weiteren Moduls sinkt. Wer eine Wärmepumpe hat oder plant, darf grösser bauen. Wer nur den Haushalt versorgt, sollte die Fläche an den Verbrauch koppeln statt ans Dach.
Die einzige Regel, die überall gilt: Eigenverbrauch schlägt Einspeisung, und zwar deutlich.
Photovoltaik in Ihrem Kanton
Förderung, Bewilligungsverfahren und Strompreise sind kantonal geregelt. Auf der Kantonsseite stehen die Zahlen für Ihre Gegend und die Gemeinden im Überblick.
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Stand 11. September 2026. Quellen: Swissolar — Branchen-Faktenblatt · Pronovo — Einmalvergütung · BFE — Referenz-Marktpreis · ElCom — Strompreise 2026